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Entwicklung der Gehaltsstrukturen

Vor etwa 10 Jahren entwickelten sich die Gehälter von Rechtsanwälten in Großkanzleien rasant. Zutreffende Angaben zu aktuellen Gehältern waren in dieser Zeit wegen der ständigen Veränderungen kaum möglich. Die Kanzleien verfolgten ein rasches Wachstum und wollten die 5-10% der Topjuristen für sich gewinnen. Daher war die Topgehaltsstufe von 100.000 € Festgehalt für Berufseinsteiger schnell kein Tabu mehr. Mögliche Bonuszahlungen in einer Größenordnung von bis zu 40% wurden genutzt, um das gezahlte Festgehalt faktisch zu erhöhen.

Doch dann kam die Krise, die viele Kanzleien empfindlich getroffen hat. Gerade das sogenannte „Brot und Butter“-Transaktionsgeschäft ließ in den meisten Häusern schlagartig nach. Viele Kanzleien reagierten mit sofortigen Einstellungsstopps und Gehaltseinfrierungen. Ursprünglich versprochene Bonuszahlungen konnten nicht eingehalten werden. Es folgten Gehaltskürzungen für Berufsanfänger und in manchen Fällen sogar Entlassungen.

In den Jahren 2010/2011 entspannte sich die Lage wieder deutlich. Die scheinbar wieder positivere wirtschaftliche Entwicklung hierzulande erreichte auch den juristischen Arbeitsmarkt, der stets mit etwas zeitlicher Verzögerung auf die Marktentwicklungen reagiert. So profitierten Kanzleien wieder von dieser Entwicklung und berichteten von einem deutlich belebten Geschäft. Nicht zuletzt die gestiegene Nachfrage nach jungen Nachwuchsanwälten spiegelte diese Entwicklung wieder.

Dies führte auch wieder zu Bewegungen bei den Gehältern. Die Einfrierung der Gehaltssteigerungen wurde in den Kanzleien wieder aufgehoben. Zum Teil wurden sogar ausgelassene Steigerungen der letzten Jahre nachgeholt. Ebenso sind Bonuszahlungen wieder geflossen, wenn auch in geringerem Umfang als früher. Seit dieser Zeit ist ein stetiges Wachstum der Gehälter zu verzeichnen. Hatten vor der Finanzkrise nur vereinzelte Kanzleien die 100.000-Euro-Marke überschritten, gehörte dies 2015 zum Standard bei den renommierten Einheiten. Im Laufe des Jahres 2016 machten viele Kanzleien einen weiteren Sprung. Auch mittelständische Einheiten, nationale Fullservice-Kanzleien und Boutiquen haben die Einstiegsgehälter nun in den sechsstelligen Bereich gehoben. An der Spitze findet man mit 140.000 Euro einige US-Einheiten, dicht gefolgt von den Magic Circle Kanzleien.

Allerdings stellte sich in den letzten Jahren zunehmend heraus, dass für die jungen Anwälte nicht nur das Gehalt entscheidend ist. Zunehmend spielt eine ausgewogene Work-Life-Balance eine Rolle. Diesen Forderungen wollen und müssen die Kanzleien gerecht werden, indem sie flexible Arbeitszeitmodelle, Teilzeitoptionen, aber auch mehr Urlaub - der auch tatsächlich genommen werden kann - anbieten.

Unveränderte Voraussetzung für die Erreichung entsprechender Gehaltsstufen sind auch weiterhin die Noten der Examina, vorhandene Zusatzqualifikationen wie Promotion oder LL.M. (vornehmlich im Ausland erworben) und exzellente, am besten praxiserprobte englische Sprachkenntnisse. Zum Teil hängt das Einstiegsgehalt auch vom Standort der Kanzlei ab. Nicht selten zahlt derselbe Arbeitgeber dem Associate in München bei gleicher Qualifikation mehr als demjenigen in Berlin. Die eigene persönliche Leistung wird in Großkanzleien zwar durch Bonusregelungen miteinbezogen, bewegt sich aber bislang meistens nur im einstelligen Prozentbereich des Grundgehalts. Allerdings sind hier auch Ansätze zu erkennen, in denen die eigene (erfolgreiche) Leistung stärker vergütet wird.

Mittelständische Kanzleien hingegen üben oft eine Praxis der stärkeren persönlichen Leistungsvergütung bzw. Belohnung für unternehmerisches Denken. Hier kommt zu einem deutlich niedrigeren Grundgehalt (50-80.000 Euro je nach Einheit) eine höhere erfolgsabhängige Komponente hinzu.

Auch Unternehmen haben die Krise gespürt. Bei vielen herrschte Kurzarbeit, um etwa eine mangelnde Auslastung und rückläufige Auftragseingänge möglichst ohne die Entlassung von Mitarbeitern zu überbrücken. In solchen Zeiten kann auch der/die Unternehmensjurist/in keinen Gehaltsanstieg erwarten.

Lediglich in den kanzleiähnlichen Rechtsabteilungen von Siemens und BMW wurden in Zeiten des allgemeinen „Freeze“ die Gehälter der internen Rechtsberater marginal angehoben. Hier lagen auch die Einstiegsgehälter mit einer Größenordnung von etwa € 80.000 zumindest in einer ähnlichen Höhe wie bei mancher international tätigen Kanzlei. Da diese Rechtsabteilungen um die gleichen gut qualifizierten Juristen buhlen wie die Top-Kanzleien, hat man dort gar keine andere Wahl, als mit solchen attraktiven Gehältern zu locken.

Durch die gute Wirtschaftslage der letzten Jahre war man auch bei den Konzernen in der Lage, die Gehälter noch etwas zu erhöhen. In die Regionen eines 6-stelligen Einstiegsgehalts kommt man hier aber nicht. Auch in Zukunft werden die Gehälter der Unternehmensjuristen wohl nicht ins Unermessliche steigen. Denn auch wenn sich die Wirtschaftslage verbessert hat, besteht noch immer ein enormer Kostendruck für die meisten Unternehmen. So ist es nicht verwunderlich, dass es hinsichtlich der Gehaltsentwicklungen im Inhouse Bereich wenig Entwicklung gegeben hat.

Was Gehaltsstatistiken nicht wiedergeben, aber am Markt deutlich spürbar ist, ist die Tatsache, dass sich Rechtsabteilungen derzeit personell verstärken. Wo während der Krise sowohl die personelle Situation als auch Gehälter unverändert blieben, werden nun vermehrt Juristinnen und Juristen eingestellt und zusätzliche Positionen von Vorständen und Geschäftsführungen genehmigt. Der zuvor erwähnte Kostendruck drängt Unternehmen zu dem Gedanken, Arbeiten, die bisher durch externe Berater durchgeführt wurden, selbst durchzuführen.

Zusammenfassend gilt derzeit, dass der Markt für gut qualifizierte Juristen - ganz gleich ob Jobeinsteiger, erfahrener Anwalt oder Syndikus - deutlich in Bewegung ist und sich einer steigenden Nachfrage erfreut. Wir haben ein Auge auf die gegenwärtigen und zukünftigen Trends.

 

Eva-Maria Emsinghoff